Hast du Nase, oder?

Er kam angelaufen. Er hatte die Taschen voll Geld. Und er trug weiße Schuhe.

„Ey, der Laden ist total leer. Geht ihr nicht rein.“

Ein Meter, Siebzig. Rotunterlaufene Augen. Lederjacke. Jeans mit Löchern an den Knien, mit knöchelhoch endenden Hosenbeinen. Weiße Turnschuhe.

„Ja, der Supermarkt?! Wird noch voller, ja? Meinst du?!“

Wir laufen auf einer Straße in Zürich, ein paar Bars und Clubs drängeln sich hier nebeneinander, es ist noch früh, ein paar Minuten nach 23 Uhr. Einer der Clubs ist der Supermarkt. 

„Schon, aber Freitag ist ein Scheißtag. Gehen wir rüber zum Hive. Kommt ihr mit.“

Nach wenigen Schritten: „Kennt ihr die makedonische Mafia? Das ist mein Vater. Ich habe Geld, Alter, schaut ihr, wie ich Geld hab, in jeder Tasche.“ Fasst sich an die Brusttaschen der Lederjacke. „Links, rechts, schaut, Franken, Fünfhundert Franken.“

„Krass. Hat Papa dir das gegeben?“

„Ich verkaufe Autos.“

Holt sein Handy heraus, spielt ein Video ab: „Guckt ihr den Pornoarsch, was für ein Arsch, megageiler Arsch.“

„Wahnsinn. Hast du die gefickt?“

„Gerade eben.“

„Krass.“

„Wollt ihr Nase? Ich brauche Kokain. Kommt ihr, teilen wir. Ihr Fünfzig, ich Fünfzig.“

„Okay, und woher…?“

„Kein Problem. Ich habe viele Freunde, das sind alles meine Freunde.“

Wir erreichen den Club Hive. Ein paar Männer mit kurzrasierten Haaren in Lederjacken stehen davor.

„Habt ihr Nase?“ Die Männer schütteln den Kopf.

„Ist kein Problem wir gehen rein. Meine Freunde. Ich habe Geld.“

Er zahlt Eintritt. Für alle.

„Kommt. Wir kaufen Kokain.“

Im Club: Er fragt die Garderobiere. Er fragt das halbe Dutzend der eingetreten Gäste.

„Habt ihr Nase?“ „Habt ihr Kokain?“ „Ich brauche Nase, Bruder.“

Niemand hat Nase.

„Kommt, wir gehen wieder raus, Digger, draußen gibt es den besten Burger Zürichs. Ich zahle.“

„Ich verkaufe acht Autos pro Woche. Zwanzigtausend Franken. Import, Export.“

Nagut.

„Ist der beste Burger Zürichs, oder? So geil, Zweihundert Franken, guckt mal. Wollt ihr Bier? Ich will tanzen, yeah. Brauche Nase.“

Wir essen.

„Ich muss pissen. Habt ihr Nase?“

Pinkelt nach dem Essen zwischen zwei Autos.

„Okay, ich gehe lange Straße. Ich suche Nase. Halbe, halbe. Komme wieder, seid ihr dann da, ja? Versprochen?!“

Er läuft los. Wir gehen zurück in das Hive. Eine Stunde vergeht. Er taucht wieder auf. Setzt sich neben uns auf eine Couch nahe der Tanzfläche.

„Habe Pille. Fresse jetzt die Pille. Keine Nase.“

Dann geht er. Wir auch. Wir stehen oben vor dem Club. Eine Gruppe von Gästen auch, eine Serbin, ein Israeli, zwei Berliner, zwei Schweizer. Einer mahlt mit dem Kiefer.

„Und du bist auf Speed?“

„MDMA.“

Pause.

„Habe aber nichts mehr. Hatte zwei Pillen. Habe eine genommen. Kam so ein Idiot. Meinte ich geb dir 40 Franken. Eigentlich verkaufe ich nichts. Schon gar nicht meine letzte Pille. Aber da musste ich.“

„Hatte er weiße Schuhe an?“

„Ja.“

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